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Leid

Werkreihe · 3 Arbeiten · 2025

Die Werkreihe „Leid" erzeugt ein Gefühl von Machtlosigkeit und Überforderung, denen Betrachtende direkt ausgesetzt sind. In den drei Zeichnungen thematisiere ich meinen Gefühlszustand, der sich in mir einstellt, wenn ich Leid auf der Welt beobachte – sei es lediglich Ungerechtigkeit, Krieg, Tod, Flucht.

Das erste Werk dieser Reihe heißt „Leiden" und zeigt mein eigenes Leid, das auf dem Leid anderer basiert. Ich hinterfrage, ob es gerechtfertigt ist, zu leiden, während andere Menschen offensichtlich größeres Leid durchleben, wie Tod, Hunger, Krieg, Obdachlosigkeit und so weiter. Diese Gedanken führen mich zu der Annahme, dass meinen Sorgen und meinem persönlichen Leid eine niedrigere Relevanz zugeschrieben werden kann. Aus dem Grund, dass ich viele Privilegien habe, lebe ich in der Erwartung, dass ich ein glückliches und unbeschwertes Leben führe, indem ich funktioniere und Teil eines Systems bin. Dennoch finden Sorgen und Ängste ihren Weg in mein Wohlbefinden, obwohl ich das Gefühl habe, dass ich nicht in der Position bin, mich zu laut zu beschweren, denn im Großen und Ganzen führe ich ein Leben, von dem andere nur träumen können. Somit verarbeite ich in meinem Kunstwerk, inwieweit es gerechtfertigt ist, dass ich glücklich bin, während ich andere dabei zuschaue, wie sie leiden.

Das führt zu Mitleid, welches ebenfalls eine große Rolle in meinen Kunstwerken spielt, wie auch in meinem zweiten Kunstwerk „Mitleid". Hier thematisiere ich die Anteilnahme am Leid anderer. Ich frage mich, wie es möglich ist, dass ich ein glückliches Leben führe und es mir zur gleichen Zeit nicht egal ist, wie und ob es anderen Personen schlecht geht. Denn wichtig zu nennen ist, dass ich keine körperlichen Schmerzen erfahre, während andere Menschen schlimmer und lebensgefährlich leiden müssen. Ich habe also Mitleid, aber ich leide nicht unbedingt selber.

Das letzte Werk der Reihe trägt den Titel „Illusion" und zielt auf die Vorstellung ab, dass es mir schlecht gehe, wobei wichtig zu erwähnen ist, dass Leiden in meinem Kopf stattfinden kann und dementsprechend nicht real sein muss. Dennoch können auch Sorgen und Ängste eine große Rolle im Wohlbefinden spielen, welche man auch nicht mit Schmerzmitteln lindern kann. Gleichzeitig geht es mir gut in meinem Leben und ich kann mich jederzeit dazu entscheiden, dass ich mich auf das Positive fokussiere und ein Leben außerhalb dieser negativen Gedanken lebe. Es ist ein komplexer Gefühlszustand, den ich hier zum Ausdruck bringen möchte.

Der expressive Zeichenstil und die Integration von Text in meinen Werken machen diese einzigartig. Meine persönlichen Gefühle haben auf direkte Weise Platz in den Zeichnungen bekommen. Mein Ziel ist es, dass Menschen, die meine Werke betrachten, sich eingeladen fühlen, emotional tief in meine Gefühle einzutauchen und sich darin eventuell auch wiederzuerkennen.

Dementsprechend ist es mir wichtig festzuhalten, dass es in dieser Werkreihe hauptsächlich darum geht, Gefühle in Relation zu setzen, um neue Perspektiven zu entdecken, aber gleichzeitig auch meinen inneren Sorgen und Ängsten Raum zu geben, gehört und gesehen zu werden – auch wenn die Welt diese vielleicht nicht hören möchte. Nichtsdestotrotz fühle ich tiefes Mitleid für alle, die Leid erfahren – sei es mental oder physisch. In mir befindet sich also ein konstantes Ungleichgewicht, ob ich nicht einfach darüber dankbar sein sollte, wie gut es mir geht oder ob es gleichzeitig okay ist, dass ich meine persönlichen Beschwerden und meine Sorgen zum Ausdruck bringe.

Leiden

Mia Rabe, Leiden, Graphit auf Papier, 70 x 100 cm, 2025

Mitleid

Mia Rabe, Mitleid, Graphit auf Papier, 70 x 100 cm, 2025

Illusion

Mia Rabe, Illusion, Graphit auf Papier, 70 x 100 cm, 2025